
| Moderation: | Dr. Ronald Schmidt | |
| Themenkreis: | 03 - Bibliotheksorganisation und Informationsmanagement – quo vadis? | |
| Zeit: | Mittwoch 03. Juni 2009 09:00 - 12:00 | |
| Raum: | Christian Reichart | Links (1.OG) | |
Geschichten erzählen - "Storytelling" - ist eine Kommunikationsstrategie, um Wert, Wirkung und Nutzen von Bibliotheken effektiv nach außen - dem Träger, den NutzerInnen, der Presse - zu demonstrieren. Längst ist "Geschichten erzählen" keine Aufgabe für Großmütter mehr, sondern gehört zum journalistischen Repertoire und wird besonders im angelsächsischen Raum in der professionellen Interessensvertretung und im Marketing eingesetzt. Nicht umsonst richtete der Weltbibliotheksverband IFLA eine "Library Success Story Database" ein, um zum WSIS-Gipfel der Vereinten Nationen die Rolle der Bibliotheken in der Informationsgesellschaft zu verdeutlichen. Je abstrakter die Themen, umso notwendiger ist es, die oft trockene, fachliche Informationen durch ein konkretes Beispiel für Außenstehende zugänglich und greifbar zu machen - nicht geschwätzig, sondern pointiert.
Auch BibliothekarInnen kann es passieren, dass die aufwändige Präsentation zum Jahresbericht im Ausschuss kommentarlos zur Kenntnis genommen wird - und die kleine Begebenheit aus dem Bibliotheksalltag, nebenbei in der Pause erzählt, führt zum Aha-Effekt: "So habe ich das noch nie gesehen!" Diesen Effekt gilt es auch für die formale Kommunikation (Berichte, Präsentationen, Analysen) zu nutzen - in wohldosierter Form, damit fachliche Konzepte und Zusammenhänge sichtbar bleiben.
Die Veranstaltung soll zeigen, wie Bibliotheken das Mittel des "Storytelling" behutsam einsetzen können, um Aufmerksamkeit und Verständnis für Bibliotheken zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Wie macht man aus einer trockenen Bibliotheksmeldung eine "Vignette", die einen Sachverhalt anschaulich demonstriert? Was macht eine gute "Geschichte" aus? Wie kommt man an "Geschichten"? Wie ergänzen sich "harte" Fakten und "weiche" Geschichten? Wo ist beim Geschichtenerzählen Vorsicht geboten?
Anne Buhrfeind
Journalistin - Hamburg, Deutschland
Die Journalistin beschreibt aus ihrer täglichen Erfahrung den Prozess von der trockenen Sachinformation zur anschaulichen Darstellung und geht dabei auf folgende Fragen ein
- Was macht eine gute "Geschichte" aus, welche Elemente gehören dazu?
- Was erregt beim Leser Aufmerksamkeit, womit weckt man Interesse?
- Wie schlägt man mit wenigen Worten den Bogen vom Abstrakten ins Konkrete?
- Wie verläuft der kreative Prozess und wie kann man ihn unterstützen?
Hella Klauser, Andrea Osterode
Deutscher Bibliotheksverband - Berlin, Deutschland
In vielen Ländern setzen bibliothekarische Verbände und Bibliotheken für ihre Lobbyarbeit gezielt die Technik des Geschichtenerzählens ein. Der erste Teil des Vortrags bietet Beispiele, wie im internationalen Raum auf allen politischen Ebenen - von der Gemeindebibliothek bis zu den Vereinten Nationen - mit Geschichten gearbeitet wird. Der zweite Teil stellt Beispiele für den Einsatz von Geschichten in Deutschland vor. Außerdem werden Tipps für Ressourcen gegeben, die man als Basis für die eigene Arbeit mit "Storytelling" nutzen kann.
Ulla Wimmer
Deutscher Bibliotheksverband, Kompetenznetzwerk für Bibliotheken - Berlin, Deutschland
Sowohl die Kommunikation mit Zahlen als auch die Arbeit mit Geschichten haben ihre Stärken und Schwächen: "Harte" Statistiken, Zahlen und Daten stellen Objektivität her, verdeutlichen Zusammenhänge und sind oft die Voraussetzung dafür, dass Berichte vom Träger überhaupt akzeptiert werden. Dabei bleiben sie aber abstrakt und sind in viele Richtungen interpretierbar. "Weiche" Geschichten und Beispiele wiederum machen zwar Nutzen und Wirkung der Bibliotheksarbeit konkret anschaulich, bleiben aber anekdotisch und ermöglichen keine allgemeinen Aussagen und Schlüsse. Die Kombination aus beiden gleicht die jeweiligen Nachteile aus und ist daher eine interessante Option, um über die Arbeit, Erfolge und Probleme der Bibliothek zu berichten. Der Vortrag gibt Beispiele dafür, wie Zahlen aus BIX und DBS mit "Geschichten" kombiniert werden können, um eine optimale Wirkung zu erzielen.
Ronald Kaiser 1, Prof. Dr. Wolfgang Ratzek 2
1HdM Stuttgart - Lichtenfels, Deutschland; 2HdM Stuttgart - Stuttgart, Deutschland
Bibliotheken sind Zentren der Begegnung und Kommunikation und damit auch ein zentraler Ort, der zur Steigerung der Lebensqualität in einer Kommune beiträgt. Personen mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen besuchen Bibliotheken und nutzen deren Dienste. Aber nur rund 30 % der BundesbürgerInnen zählen zu den Bibliotheksnutzern. Daher gilt es Angebote und Dienste zu entwickeln, um die Strahlkraft von Bibliotheken zu erhöhen und so im täglichen Leben der BürgerInnen aber auch von Unternehmen zu verankern. Im Vortrag werden innovative Services vorgestellt und Konzepte zur zielgruppenorientierten Kommunikation von Bibliotheken präsentiert. Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite bildet die Bibliothek mit ihren Dienstleistungen einen weichen Standortfaktor, welcher im Wirtschaftsleben immer wichtiger wird. Wie sollen Bibliotheken dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht werden? Einen Weg bietet die Vermittlung von Erfolgsgeschichten. Und hier kommen die in die Wirtschaft an Bedeutung zunehmenden Ansätze des Neuromarketings und des Storytellings zum Tragen.
Dr. Marlene Grau
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg - Hamburg, Deutschland
Events - Ausstellungen, Veranstaltungen, Kampagnen - heben vor allem die kulturelle Funktion der Bibliotheken hervor und weisen ihnen damit über die Dienstleistungsfunktion hinaus eine wesentliche Rolle im öffentlichen Leben zu. Der Vortrag wirft ein Schlaglicht auf das unterschiedliche Potential der verschiedenen Event-Formate - anhand von Praxisbeispielen aus der SUB Hamburg Carl von Ossietzky.
Dr. Doreen Siegfried
Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) - Kiel, Deutschland
Im Gegensatz zu Forschungseinrichtungen oder auch Unternehmen haben es Bibliotheken meist nicht einfach, mit ständig neuen Geschichten an die Öffentlichkeit zu treten. Es werden weder permanent neue Studienergebnisse gewonnen noch unablässig innovative Produkte und Dienstleistungen entwickelt. Um dennoch interessante Themen für Journalist/inn/en zu finden, müssen ausgetretene Pfade verlassen und PR-Maßnahmen jenseits des Standards überlegt werden. Wie die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften diese Aufgabe bewältigt, soll im Vortrag in einem Erfahrungsbericht im Einzelnen dargelegt werden.