
| Moderation: | Dr. André Schüller-Zwierlein | |
| Themenkreis: | 09 - Elektronische Dienstleistungen in der Diskussion | |
| Zeit: | Freitag 05. Juni 2009 09:00 - 12:00 | |
| Raum: | Halle 3 | Raum 2 | |
Web 2.0-Technologien beruhen auf der Beteiligung aller an der Generierung und Organisation von Informationen - eine Struktur, die auf den ersten Blick den Aufgaben der Bibliothek zur Standardisierung und zentralen Bereitstellung von Informationsstrukturen zuwider läuft. Doch inzwischen erweist sich die Nutzung von derartigen Technologien auch als Gewinn für die Bibliotheken und ihre Nutzer - nicht nur, indem deren Kompetenzen für ein verbessertes Informationsangebot z.B. durch social tagging fruchtbar gemacht werden können, sondern auch durch die Ermöglichung individualisierter, auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugschnittener Informationsangebote. Ebenso kann das Informationsspektrum durch Katalog-Anreicherung und die Bereitstellung elektronischer Dienste erweitert werden. Umgekehrt können Bibliotheken soziale Netzwerke für die Eigenpräsentation und -vermarktung nutzen.
Christof Niemann
UB Mannheim - Mannheim, Deutschland
Soziales Verhalten und Lernen der heutigen Studierendengeneration sind von virtuellen Communities wie studiVZ (Studentenverzeichnis) geprägt. Dort sind Funktionen wie Gruppendiskussionen in Foren oder das Taggen von Inhalten möglich. Gleichzeitig stehen die traditionellen Anbieter von Information vor der Herausforderung, die stetig wachsende Anzahl von digitalen Inhalten zu ordnen und recherchierbar zu machen. Ein Beispiel sind die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Nationallizenzen, deren Inhalte nicht auf traditionelle Weise durch Bibliothekare erschlossen sind.
Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, die kollaborative Intelligenz der Kunden für die Erschließung von Inhalten zu nutzen und das Wissensmanagement stärker partizipatorisch auszurichten. Neue Services ermöglichen Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Medien in Katalogen und elektronischen Volltextsammlungen zu rezensieren und zu taggen und ihre Rezensionen oder Tags in eine personalisierte digitale Bibliothek einzufügen. Deren Bestandteile sind idealerweise modular aufgebaut und durch offene Standards miteinander verknüpft.
In der Präsentation werden Dienste vorgestellt, die die Etablierung von Informationsdienstleistungen innerhalb von digitalen Communities ermöglichen. Zusätzlich werden Verfahren erläutert, wie Tags hinsichtlich ihrer Qualität und ihres Beitrags zum Information Retrieval analysiert werden können. Diese Ergebnisse werden anschließend mit einer ebenfalls an der UB Mannheim durchgeführten automatischen Indexierung von Volltexten verglichen. Ziel ist es, eine Empfehlung auszusprechen, wie bisher nicht erschlossene Dokumente am besten indexiert werden können: automatisch, mit Tags oder durch eine Kombination von beiden Verfahren.
Jutta Bertram
Fachhochschulstudiengänge Burgenland - Eisenstadt, Österreich
Im Rahmen des Web 2.0 versetzen Social Software-Anwendungen den Nutzer zunehmend nicht nur in die Lage, Produzent von Inhalten, sondern auch Produzent von Metadaten zu werden. Diese user-generated Metadata kommen wesentlich durch die Methode des Social Tagging zustande – dem gemeinschaftlichen Indexieren digital verzeichneter Ressourcen. Dem (fast schon tot gesagten) intellektuellen Indexieren hat das Tagging neue Popularität beschert. Zugleich hat es einen neuen Ansatz der Generierung, Nutzung und Teilung von Wissen etabliert. Dabei waren es vor allem Social Bookmarking-Dienste, die dem Social Tagging zum Durchbruch verholfen haben. Mittlerweile hat sich die Methode aber längst in weiteren Anwendungskontexten etabliert und kommt zunehmend auch in Bibliotheken zum Einsatz, wo die herkömmliche Erschließung nur allzu oft am Nutzer und seiner Sprache vor-beigeht. Was nun aber ist wirklich neu am Social Tagging? Wie grenzt sich die Methode von klassischen Indexiermethoden ab? Was zeichnet die Taggingpraxis aus? Wie steht es um die Art und Qualität der Ergebnisse, die sie hervorbringt? Welche Stärken und Schwächen lassen sich daraus ableiten? Welches Potential hat die Methode für die Gestaltung und Optimierung bibliothekarischer Dienstleistungen? Kann sie sinnvoll mit konventionellen Erschließungsmethoden verbunden werden? Diesen Fragen soll im Vortrag nachgegangen werden.
Dr. Peter Kostädt
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln - Köln, Deutschland
Im Zuge der Weiterentwicklung ihres Internetangebots beschäftigen sich Bibliotheken seit einigen Jahren intensiv mit dem Ausbau ihrer Kataloge und Suchportale. Schwerpunktthemen sind dabei die Kataloganreicherung sowie die Integration von Suchmaschinentechnologie und Web2.0-Diensten. Trotz der zahlreichen Erfolge haben die Websites von Bibliotheken gerade im Bereich der Literaturrecherche nach wie vor den Charakter einer Linksammlung, da beim Aufruf der verschiedenen Dienste (Katalog, Fernleihe, EZB, DBIS, …) jeweils ein kompletter Wechsel von Seitenlayout und Navigationsstruktur stattfindet.
Der Vortrag berichtet von den Bestrebungen der USB Köln, die verschiedenen Anwendungen und Dienste komplett in die bestehende Website zu integrieren. Dabei wird erstmalig ein „ganzheitlicher“ Portalansatz verfolgt, der sich an den folgenden Zielen orientiert:
Anette Seiler
hbz - Köln, Deutschland
In den Zeiten des Zettelkatalogs waren wir es gewohnt, dass Katalogisate kurz und knapp gehalten werden mussten. Dabei vergessen wir auch heute manchmal, dass das Ziel des Endnutzers nicht ein Katalogisat, sondern die Information selbst ist. Heute ist die Anreicherung von Bibliothekskatalogen mit vollständigen Digitalisaten, Inhaltsverzeichnissen, Klappentexten, Probekapiteln u.v.m. möglich. So verbessern wir nicht nur das Retrieval und die Möglichkeit für den Benutzer, die Relevanz einzuschätzen, sondern wir können auch direkten Zugriff auf die beschriebenen Objekte selbst geben - und so im Zeitalter von Google und Co weiterhin für Informationssuchende in deren Suchmöglichkeiten eingeschlossen werden. Der Vortrag soll an Hand der Digitalisierungsprojekte im hbz-Verbund zeigen, welche Möglichkeiten existieren, Metadaten mit digitalen Objekten zu verknüpfen und wie es vor allem dem Bibliotheksbenutzer aber auch der Bibliothek nutzt. Weiterhin möchte dieser Vortrag in die Zukunft weisen und sich den Fragen stellen "Ist es sinnvoll Kataloge mit Tags und Rezensionen anzureichern" und, wenn ja, "Wie können Tags, Rezensionen, etc. den Katalog anreichern?"
Volker Conradt
Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg - Konstanz, Deutschland
Ein wichtiger Blick, den jede Bibliothek ihren Nutzern bieten muss, ist mittlerweile ihre Website: Literaturrecherche, Literaturbeschaffung, sogar Auskunft werden oft aus¬schließlich als Online-Verfahren angeboten und die Gestaltung dieses Angebots trägt maßgeblich zur Profilbildung einer Bibliothek bei.
Bibliotheksbenutzer erwarten die nahtlose Integration dieser Services untereinander, die Verbindung von bibliothekseigenen und überregionalen Angeboten sowie die Be¬dienung der persönlichen Literaturverwaltung wie von Community-Services des Web 2.0. Trotz der Ortsunabhängigkeit des World Wide Web spielt dabei das lokale Branding der Heimatbibliothek eine wichtige Rolle.
OPACS, Bibliotheksportale und Suchmaschinen bleiben daher im Fokus und öffnen sich Features wie z.B. Kataloganreicherung, Social Tagging und neuen Formen des sachlichen Retrievals.
Technisch entfernen sich die Anwendungen von den lokalen integrierten Bibliotheks¬systemen, die mit der geforderten Innovation nicht mithalten können, und werden in separaten, oft selbst erstellten Modulen realisiert bzw. setzen sich als "MashUps" ohnehin aus Webservices unterschiedlicher Provenienz zusammen. Manch ein OPAC im lokalen Gewand einer Bibliothek stellt sich so als spezielle Sicht auf eine regionale Verbunddatenbank heraus.
Der Vortrag wird die skizzierten Entwicklungen an produktiven Installationen des Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) und von Teilnehmerbib-liotheken des SWB vorführen und gewährt einen Ausblick auf weitere Planungen und Tendenzen auf diesem Feld.
Anne Christensen
Staats- und Universitätsbibliothek - Hamburg, Deutschland
Eine Forderung der Bibliothek 2.0-Bewegung bezieht sich darauf, Bibliotheksdienste dort anzubieten, wo sich ihre Benutzerinnen und Benutzer befinden. Soziale Netzwerke wie StudiVZ, MySpace und Facebook sind die virtuellen Treffpunkte im Web mit hohen Reichweiten, insbesondere bei jungen Erwachsenen. Daneben existieren zahlreiche weitere Netzwerke für teilweise sehr spezielle Interessen, über die Menschen miteinander kommunizieren und ihr Wissen austauschen.
In dem Vortrag wird untersucht, welche Betätigungsfelder es für Bibliotheken in sozialen Netzwerken gibt und stellt Best Practice-Beispiele vor. Zunächst geht es dabei um allgemeine Möglichkeiten der Präsentation und des Marketings von Bibliotheks- und Informationsdienstleistungen in sozialen Netzwerken. Schwerpunktmäßig wird dann auf die Versorgung von studentischen und wissenschaftlichen Communities mit bibliografischen Informationen eingegangen, und zwar am konkreten Beispiel des Hamburger beluga-Projektes, in dessen Rahmen die Verbindung von einer Rechercheplattform zu einem lokalen wissenschaftlichen Netzwerk erprobt und erforscht wird.
Weblog des beluga-Projektes: http://beluga-blog.sub.uni-hamburg.de