
| Moderation: | Dr. Volker Wittenauer | |
| Themenkreis: | 09 - Elektronische Dienstleistungen in der Diskussion | |
| Zeit: | Mittwoch 03. Juni 2009 09:00 - 12:00 | |
| Raum: | Halle 3 | Raum 2 | |
Im Zuge der Dynamisierung und des Austauschs wissenschaftlicher Information hat sich das Spektrum elektronischer Dienstleistungen und Web-Werkzeuge in den letzten Jahren rasant entwickelt. Von den vielfältigen Formen sozialer Software (Weblog, Tagging, Wiki etc.) über neue mobile Endgeräte bis hin zu neuen (Suchmaschinen-)Technologien und Wissensplattformen findet sich eine Vielzahl neuer Produkte und Praktiken, die Web 2.0 und Semantic Web vorantreiben, verbinden und den Wandel der Mediennutzung und Wissenskommunikation beschleunigen.
Die Veranstaltung vermittelt zum einen einen Überblick über die Bandbreite neuer elektronischer Tools und Dienste. Zum anderen wird gezeigt, wie diese neuen Produkte das Portfolio bibliothekarischer Serviceleistungen sinnvoll erweitern und welchen Einfluß sie damit auf die strategische Profilbildung moderner wissenschaftlicher Bibliotheken haben.
Lambert Heller
TIB/UB Hannover - Hannover, Deutschland
Weblogs haben sich in der Forschung und Lehre anglophoner Ländern rasch verbreitet. Während diese Entwicklung hierzulande noch auf sich warten läßt, hat sich das Spektrum der Web-Werkzeuge, die von Wissenschaftlern in ihre Kommunikationspraxis einbezogen werden, nochmals erheblich erweitert: 1. Social-Networking- und Social-Feed-Funktionen nach dem Vorbild von Facebook halten in immer mehr Web-Medien Einzug; Kontrolle und Interoperabilität der Benutzerdaten wird dabei ein wichtiges Thema. 2. Im Zusammenhang mit diesen neuen Social-Networking-Funktionen entsteht eine nochmals vereinfachte Form des Bloggens, die Elemente von Instant Messaging und SMS aufgreift: Microblogging. 3. Subscribe/Publish-Aggregatoren wie Bloglines und Google Reader sind zwar nicht neu, scheinen aber ebenfalls wichtiger zu werden. 4. Spezialisierte Web-Plattformen erlauben die einfache Verbreitung und Erschließung komplexer, multimedialer Medientypen, bis hin zum ad-hoc-Publizieren und -Auswerten von Primärdaten. 5. Social-Semantic-Web-Werkzeuge und -Plattformen verprechen, die traditionellen Konzepte des Semantic Web mit den beiden populären Social-Software-Konzepten Tagging und Wiki zu verbinden. 6. Diversifizierung der Geschäftsmodelle: Die genannten Anwendungen sind als vielversprechende Werkzeuge des firmeninternen Wissensmanagements erkannt worden und werden daher auch als Softwarepakete z.B. fürs Intranet angeboten. Der Vortrag soll einen Überblick über die genannten Trends verschaffen und technische sowie strategische Diskussionen eröffnen: 1. darüber, wie wissenschaftliche Bibliotheken und Informationseinrichtungen ihre Dienste und Daten zu wertvollen Werkzeugen in dieser neuen Landschaft weiterentwickeln können; 2. darüber, ob und wie sie ihre eigene Aufgabenstellung weiterentwickeln sollten, beispielsweise von der Betonung auf Informationsbereitstellung als Massenprodukt hin zum individuellen Beraten und Vorangehen in der neuen Informationslandschaft (Community Technology Stewardship).
Vladimir Neumann, Ivo Ulrich
Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz - Berlin, Deutschland
Vorgestellt werden soll der Einsatz neuer Technologien bei der Virtuellen Fachbibliothek Slavistik (Slavistik-Portal), die an der Staatsbibliothek zu Berlin aufgebaut wird. Die Schwerpunkte werden dabei auf der Integration der Metasuchsoftware "iPort" in das Content Managment System "Typo3", der Nutzung von Web-2.0-Aggregierungstechniken für Internetressourcen, dem Einsatz von modernen Schnittstellen (SRU und XML) und nicht zuletzt auf der Suchmaschinenentechnologie "Nutch/Lucene" liegen, die im Rahmen des Portals zum Einsatz kommt.
Dr. Curtis R. Rogers
South Carolina State Library - Columbia, USA
Many academic and public libraries in the United States have been embracing the use of Web 2.0 and Social Networking tools to enhance services to library patrons as well as promote/market library events to new audiences. Libraries have been implementing a wide variety of these tools but many are concentrating their efforts on the use of blogs, open source content management systems such as Joomla and Drupal, social networks such as MySpace and Facebook, and many are also using Instant Messaging chat services such as Meebo to answer reference questions.
According to Wikipedia, “Social media are primarily Internet-based tools for sharing and discussing information among human beings. The term most often refers to activities that integrate technology, social interaction, and the construction of words, pictures, videos and audio. This interaction, and the manner in which information is presented, depends on the varied perspectives and "building" of shared meaning among communities, as people share their stories and experiences.” The private sector industries that use Web 2.0 tools for marketing and public relations should be closely studied by librarians. Fifty-seven percent of respondents to a research study, New Media, New Influencers and Implications for Public Relations by the Society for New Communications Research said that “social media tools are becoming more valuable to their activities as more customers and influencers use them.”
In this session, I will review many of the recent statistics about the use of these Web 2.0 tools, discuss the importance of why libraries need to understand how the private sector uses these tools, as well as review specific applications for their use in American academic and public libraries.
Patrick Danowski
Staatsbibliothek zu Berlin - Berlin, Deutschland
In letzter Zeit sind eine Reihe von neuen mobilen Endgeräten auf den Markt gekommen. Spätestens seit dem iPhone hat das Surfen im Internet mit mobilen Endgeräten stark zugenommen. Branchenvertreter erwarten das, das mobile Internet 2009 vor dem Durchbruch steht [1]. Gleichzeitig hat die Industrie einen neuen Anlauf im Bereich eBook mit Geräten wie dem Sony Reader und dem Kindle von Amazon unternommen, die 2009 auch in Deutschland erwartet werden. Auch das iPhone beitet eine Reihe von Möglichkeiten um Texte bzw eBooks auf ihm zu konsumieren. Die deutsche Telekom erprobt in dem Projekt News4Me [2] wie Tageszeitungen auf diese neuen Geräte angepasst werden können.
Diese Geräte machen nach langer Zeit das Konsumieren von Texten am Bildschirm denkbar und die Idee des ubiquitären Internets scheint in greifbarer Nähe. In dem Vortrag soll der aktuellen Stand der Technik mit den neusten Entwicklungen beleuchtet werden, sowie dargestellt werden welche neuen Formate für Inhalte sich entwickeln. Im Abschluss sollen einige Handlungsempfehlungen für Bibliotheken vorgestellt werden um frühzeitig die eigenen Inhalte effektiv für Anwender von mobilen Geräten anbieten zu können.
[1] http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=080320014
[2] http://www.laboratories.telekom.com/ipws/Deutsch/News/Archiv/2008/Pages/News4Me.aspx
Prof. Dr. Harald Reiterer
Universität Konstanz - Konstanz, Deutschland
Die Recherche mittels online Katalogen gehört schon lange zum Standard moderner Bibliotheken. Trotz fortschreitender Digitalisierung wird auch in Zukunft der Bibliotheksbesuch seine wichtige Stellung bei der Wissensvermittlung behaupten. Freihandbibliotheken als Orte der Begegnung und des gemeinsamen Lernens sind durch technologischen Fortschritt allein kaum zu ersetzen. Die Idee der „Blended Library“ versucht deshalb die Bedürfnisse eines Besuchers im Vorfeld, während und im Nachgang eines Bibliotheksbesuchs umfassend zu unterstützen.
Die Vorbereitung kann beispielsweise von zu Hause aus durch das Abspeichern bzw. Vormerken von interessanten Titeln unter einem eigenen Benutzerprofil erfolgen. Innerhalb der Bibliothek wird es zu einer Vermischung (Blending) von realen Objekten (d.h. das Buch, die DVD) und digitalen Inhalten kommen welche das Erkunden des Medienbestandes und des darum angesiedelten Informationsraumes ermöglicht. Dabei sollen neue Formen der Interaktion den Benutzer in viel natürlicherer Weise unterstützen. Dies kann durch berührungsempfindliche Tische (sogenannten Tabletops) oder Litfaßsäulen, die jeweils mittels Multitouch (vgl. iPhone) bedient werden, erfolgen. Neben der normalen Recherche kann der Benutzer auch von ihm ausgewählte Medien (z.B. Bücher, DVDs) direkt auf den Tisch legen. Diese werden mittels RFID-Chips vom Tisch erkannt und eröffnen dem Benutzer durch berührungsempfindliche Menüpunkte einen Einstieg in einen umfassenden multimedialen Wissensraum. Auch mobile Endgeräte, wie moderne Smartphones spielen in der Bibliothek der Zukunft eine wichtige Rolle. Neben Recherche und Navigation können sie auch in Kombination mit Tabletops eingesetzt werden. So kann der Benutzer seine Favoriten, durch Auflegen des Smartphones auf den Tabletop näher explorieren bzw. sich direkt mittels seines Smartphones zum gewünschten Regal leiten lassen.
Durch den Einsatz und die Kombination verschiedenster Endgeräte, einem hohen Grad an Personalisierung und einer intensiven Nutzung von digitalen Inhalten werden sich gänzlich neue Formen der Wissensvermittlung eröffnen.
Marcus Kohout 1, Nando Stöcklin 2, Nando Stöcklin 3
1Zentralbibliothek Zürich - Zürich, Schweiz; 2Pädagogische Hochschule Bern - Bern, Schweiz; 3Wikimedia Schweiz - Zürich, Schweiz
Was der Kulturhistoriker Roger Chartier einst als «Bibliothek ohne Mauern» benannte, ist im heutigen digitalen Zeitalter längst Realität. Das Suchen und Finden von Informationen geschieht heutzutage vornehmlich ausserhalb bibliothekarischer Gemäuer - im Internet. Dabei verlieren die traditionellen Recherche-Instrumente wie Online-Kataloge, Bibliographien oder Datenbanken zusehends ihren Stellenwert als primäre Einstiegspunkte und treten diese Funktion den Web-Suchmaschinen ab. Dieser Entwicklung können sich Bibliotheken nicht verwehren; sie können sie aber als Chance begreifen und ihre Kompetenz und Erfahrung aktiv einbringen.
Eine besondere Herausforderung stellt dabei die meistfrequentierte Textquelle im Internet dar, die freie Enzyklopädie Wikipedia. Sie irritiert zwar ihres neuartigen, völlig offenen Systems wegen; Universitäten und Schulen beginnen sie jedoch als ernstzunehmende Wissensplattform zu erkennen. Es gilt, die Komplexität hinter der Enzyklopädie, die gleichzeitig Archiv, Diskussionsraum und Linkverzeichnis ist, zu verstehen. Zudem existieren in der Wikipedia trotz ihrer offenen Struktur Strategien der Qualitätssicherung, die für die Beurteilung der jeweiligen Artikel nicht unerheblich sind. Bibliotheken, zu deren Kernbereich seit jeher die Aufbereitung und Vermittlung von Informationen gehört, erhalten mit der Wikipedia und verwandten Internetplattformen ein völlig neues Arbeitsfeld.
Seit 2008 arbeitet die Zentralbibliothek Zürich (ZB) aktiv an der Wikipedia mit. Neben der inhaltlichen und redaktionellen Betreuung führt die ZB im Rahmen der Förderung von Informationskompetenz auch Kurse durch, um das Konzeptwissen zu vertiefen und unter anderem auch im akademischen Umfeld auf einen adäquaten Umgang mit der Wikipedia zu sensibilisieren. Ausgehend von solchen Erfahrungen denken wir in diesem Beitrag am Beispiel Wikipedia nach, wie die Förderung der Informationskompetenz in Zeiten des Web 2.0 aussehen kann.